Anne berichtet

Hallo, mein Name ist Anne Hahnheiser und ich bin seit dem 1. September als Freiwillige auf dem Feuerschiff ELBE 1. FĂŒr ein Jahr werde ich auf dem Feuerschiff wohnen und die Besatzung unterstĂŒtzen. Dabei sind meine Aufgaben sehr vielfĂ€ltig, quasi bin ich ein „MĂ€dchen fĂŒr alles“. Ich komme aus Einbeck, einer Stadt in SĂŒdniedersachsen und habe in diesem FrĂŒhjahr mein Abitur gemacht. Wenn alles klappt, möchte ich nach meinem Freiwilligen Jahr eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker machen. Schiffe, besonders die Feuerschiffe haben mich schon von klein auf fasziniert und deshalb möchte ich hier meine Aufgaben einmal vorstellen.

DSC03677Auf der ELBE 1 arbeiten zwei Festangestellte, ein Tischler und ein Maschinist. Dann gibt es zur Zeit noch zwei Leute, die innerhalb einer Maßnahme vom Arbeitsamt bei uns sind. Dazu kommen die Ehrenamtlichen, aus denen sich die Besatzungen fĂŒr die Fahrten zusammen setzt und die den Museumsbetrieb machen.

Wenn das Wetter gut ist, steht hĂ€ufig Rost klopfen und streichen auf dem Programm, ein Schiff fĂŒhlt sich eben nur mit viel Farbe richtig wohl. Entrostet wird mit einem druckluftbetriebenen Nagelhammer, DrahtbĂŒrste und allen möglichen GerĂ€ten, mit denen man Kratzen kann. Danach kommen erst zwei Schichten Grundierung auf die entrostete Stelle, dann zwei bis drei Schichten Lack. Schwer zugĂ€ngliche Stellen, wie zum Beispiel die Fundamente der Beiboot Davits behandeln wir mit Leinöl. Das lĂ€uft tiefer in die Ecken als man Farbe mit dem Pinsel dorthin bekommen wĂŒrde. Wenn das Leinöl ausgehĂ€rtet ist, bildet es (hoffentlich) auch einen effektiven Rostschutz.
Dann gibt es noch die die berĂŒhmte Aufgabe, die jeder Neuling auf dem Schiff erst einmal erledigen muss: Deck schrubben. Neben dem Deck werden auch die Aufbauten regelmĂ€ĂŸig mit Seifenwasser und BĂŒrste gereinigt. Ab und zu wird das Holzdeck auch mit Unkrautvernichter behandelt, was den Tischler gar nicht erfreut hat, denn ich habe damit den Löwenzahn abgetötet, den er in einer Ecke entdeckt und gepflegt hatte ( ;-) ).

Das Gleiche passiert im Schiff, hier wird auch einmal die Woche Putzen angesagt. Putzen ist nicht gerade meine liebste Aufgabe, wenn es möglich ist unterstĂŒtze ich lieber den Maschinisten im „Keller“, also im Maschinenraum. Hier gehörte es zu meinen Aufgaben einen Hilfsdieseltank zu öffnen und die Tankdichtung zu erneuern, die ĂŒber die Jahre undicht geworden ist. Bei der Gelegenheit habe ich auch den Dieselschlamm aus dem Tank entfernt, der sich unten abgesetzt hat.

Im Winter werden wir einige Großprojekte in Angriff nehmen, die wĂ€hrend des Museumsbetriebs nicht möglich sind. Unter anderem muss der Feuerturm dringend ĂŒberholt werden, dazu wird das Leuchtfeuer per Kran vom Turm gehoben und in einer Halle in Stand gesetzt, der Laufgang um die Laterne herum wird dabei komplett erneuert.

Wie jedes Jahr werden die Renovierungsarbeiten in den Kammern voran schreiten, da noch nicht alle Kammern gedÀmmt worden sind. Das bedeutet, dass eine Kammer quasi entkernt wird, dann gedÀmmt wird und eine Neue Verkleidung montiert wird.

Das Spannendste sind natĂŒrlich die Fahrten, besonders die die ĂŒber mehrere Tage gehen. Gleich am 3. September fuhren wir nach Papenburg zum Hafenfest, fĂŒr die Strecke hat die ELBE 1 etwa 24 Stunden benötigt. FĂŒr mich war das die erste Nacht auf See und der Seegang ist mir noch nicht so ganz bekommen. Meine Kammer befindet sich im Vorschiff, dort wo es am stĂ€rksten Schaukelt bei Seegang, was mich dazu bewog nach draußen auf eine Bank zu flĂŒchten. Zum GlĂŒck war es warm und nach ein paar Stunden hatte ich mich auch an den Seegang gewöhnt und ich konnte morgens um 4 Uhr meinen Dienst auf der BrĂŒcke antreten. Hierzu zĂ€hlte vor allem die Aufgabe des Ausgucks. Von KapitĂ€n Josef Steiner von der Sportbootschule Steiner bekam ich auf der Fahrt gleich eine umfassende Einweisung in die Navigation auf See.

Auch durfte ich schon mehrmals Ruder gehen, ich saß also am „Steuer“ des Feuerschiffs. Dazu brauchte ich mehr FingerspitzengefĂŒhl, als man sich vielleicht vorstellt. FĂŒr mich ist es ein wirklich faszinierendes GefĂŒhl das Schiff zu steuern. Wenn wir dann am Ziel angekommen sind, muss ich auch beim Festmachen des Schiffes helfen.

Meine Hauptaufgabe auf den Fahrten ist es allerdings in der KombĂŒse zu helfen, meistens Abwaschen oder Kartoffel-Striptease (Kartoffeln schĂ€len). Auf jeder Fahrt lege ich auch einige Kilometer beim hin und her Laufen zwischen KombĂŒse und Partyzelt zurĂŒck, um SchĂŒsseln, Tabletts und Körbe mit diversen Köstlichkeiten zu den hungrigen GĂ€sten zu bringen.

Ich hoffe ich konnte einen kleinen Einblick in meine Arbeit auf der ELBE 1 vermitteln und wenn Ihr Interesse geweckt wurde, dann besuchen Sie das Feuerschiff doch einmal, oder kommen Sie nÀchstes Jahr auf einer unserer Fahrten mit.