Eine 430 sm lange Seereise mit dem Feuerschiff Elbe1 nach Danzig

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Nachdem bekannt wurde, dass der Feuerschiffverein eine Reise nach Danzig plant, dauerte es nicht lange, bis die ersten Anfragen eintrafen.
Glücklicher Weise konnte die Reise mit einer Gästefahrt durch MAASS- Tourismus in Cuxhaven  mit einer Mitfahrt durch den Nord- Ostsee- Kanal  (NOK) kombiniert werden. Das lief so ab, dass ein Törn mit der Elbe durch den Kanal und die Rück –oder Anreise durch einen Bus erfolgte.

Durch den Nord – Ostsee- Kanal
Im Kanal kam uns das „Traumschiff „  Deutschland  entgegen. Diese Passage wurde natürlich auch von Land aus beobachtet. Dabei  entstand ein sehr schönes Bild bei dem die Größenunterschiede zwischen uns und der Deutschland deutlich zum Vorschein kamen.

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Von Kiel nach Danzig
Erwartungsvoll zeigte sich die Ostsee mit ruhiger See, traumhaften Sonnen auf  – und Untergängen.

Im Dunst konnte man die die Steilküste  der Insel Fehmarn und später Insel Hiddensee und darauf die Kreidefelsen von Rügen erkennen. Die Fähren nach Gedser und Trelleborg kreuzen unseren Weg. Dann kam die lange Fahrt entlang der polnischen Küste zwischen Swinemünde, Koszalin Ustka (Stolpmünde). In den Morgenstunden des 3. Tages  hatten wir unseren nördlichsten Punkt unserer Reise  (Querab Wladyslawowo) erreicht.

Danzig in Sicht
Mit südlichen Kursen ging dann an Gdynia und der  langgesteckte Halbinsel  Hel vorbei.  Sie ist eine 34 Kilometer lange Landzunge in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

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Am Leuchtturm im neuen Hafen, Nowy Port Kapitanat Portu machen wir fest,  einem der schönsten Leuchttürme der Ostsee.

 

 

 

 

 

 

 

Er soll nach dem Vorbild  des Leuchtturms in Cleveland (Ohio) gebaut worden sein. Er ist 27m hoch mit einer Reichweite von  20sm. (Elbe 1 , 15sm – 30km). Im Leuchtturm befindet sich ein sehenswertes Museum mit alten Lampen und historische optische Geräten.

 

 

 

 

Das wirklich ungewöhnlichste Gerät  ist die sogenannte Zeitkugel. Das Heben und Fallen der Zeitkugel ermöglichte  es jedem Kapitän, eines jeden Schiffes, die Chronometer, die zur Bestimmung der geografischen Länge auf See notwendig waren, genau einzustellen.

Täglich um 11:55 wurde die Kugel an die Spitze des Turmes hochgezogen. (Heute 14:00; 14:00; 16:00 und 18 Uhr). Ein Impuls, ausgelöst,  lässt die durchbrochene Kugel den Mast herunterrutschen.

Die Genauigkeit liegt bei  1 Sekunde in  200.000 Jahre.

Auf dem Wasserweg in die Stadt.

Bei jeder Reise hat man eigene Vorstellungen und setzt Schwerpunkte um die verfügbare Zeit effektiv zu nutzen. Effektiv gelingt dies nur im Alleingang. Meine Liste war hinterher gesehen, viel zu lang – oder die vorhandene Zeit reichte einfach nicht aus,  um meine Liste „abzuarbeiten“

Eine Möglichkeit um vom Hafen in das Zentrum der Stadt zu gelangen ist der Wasserweg. Auf der fast 2 Stündigen Fahrt kommt man an der Westernplatte vorbei die im WW II eine große Rolle spielte. Auf dem grünen Hügel steht ein steinernes Denkmal der Verteidiger der polnischen Küste im Jahre 1939 (siehe auch Eintrag im Gästebuch von Ruhrgebeatly).

Bei der Weiterfahrt kommt ein runder Turm ins Blickfeld, Fort Carré, ein typische Festungsgebäude aus dem 16. Jahrhundert. Die Backsteinmauern des Forts  sind an den Ecken mit Quadersteinen verstärkt. Das Fort wird von einem Wassergraben umgeben. Die Einfahrt wird von einem Tor geschützt und einer nicht mehr funktionieren Zugbrücke, die man vom Bootsanleger  sehen kann. Kurios, denn was macht eine Zugbrücke wie man sie in Holland eigentlich erwartet hier im Osten?

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Ich komme mit einer „mandeläugigen Touristin“  ins Gespräch und sie zeigt mir auf Ihrem Handy, dass das Fort von einem flämischen Festungsbauer geplant wurde. Ein Handy kann somit ganz brauchbar sein zumal an vielen touristisch attraktiven Punkten ein WLan  Hotspot  zu finden ist sich ( auch im Hafen am Leuchtturm ) .

 

Ich erläutere Ihr was „Bürgermeister O´Swald„ bedeutet, denn diesen Begriff konnte Sie nicht finden

 

 

Die Festung Weichselmündung lag unmittelbar an der Weichsel, der alte Hafen von Danzig an der Mottlau, nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Ende des 15. Jhd. errichtete man einen zylindrischen Turm der gleichzeitig ein Leuchtturm war. Auf ihm brannte ein Feuer, um den Schiffen den Weg zu zeigen. Von hier aus, im Jahre 1627 startete die polnische Flotte zu einer siegreichen Schlacht gegen die Schweden. Der Turm verlor seine Bedeutung nach dem WW I

Angeblich soll es dort einen adeligen Geist geben.

Die Altstadt

Bleibt man in der Altstadt, sind die Wege zu den Sehenswürdigkeiten recht kurz.

Die Ausstellung Wege zur Freiheit auf dem Solidarność -Platz. Hier begann 1980  die Zerlegung des kommunistischen Systems durch die  Streiks der Danziger Werft unter Führung von Lech Walesa und die Gründung von Solidarność.

Nach der Passage an den Danziger Werften vorbei, passiert man das weltbekannte Krantor.  Der Mechanismus des Kran Tores kann Lasten bis zu 4 Tonnen in eine Höhe von 11 Meter heben, angetrieben durch ein Laufrad. Er ist der größte mittelalterliche Hafenkran Europas und zugleich ein befestigtes Tor  am Wasser.

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Daneben befindet sich die jüngste Abteilung, – das Zentrum für Meereskultur – des Nationalen Maritimen Museums.

Geht man nicht nur durch die Langgasse, gibt es  in vielen Geschäften ein Überangebot  von Bernstein in unendlichen Verarbeitungsformen – Ketten, Ringe Armreife, eben alles was man so als Erinnerung unbedingt mit nach Hause  bringen muss.  Im Bernstein Museum findet man eine besondere Attraktion, eine in Bernstein eingeschlossene Eidechse, ein Unikat,  das weltweit nur sehr selten zu finden ist.

Die häufigsten Einschlüsse sind Insekten mit bis zu 1cm. Leider gibt es auch Fälschungen auf dem übervollen Markt.

Weiter  ging es in die Marienstrasse, eine Seitenstraße mit den charakteristischen Treppenaufgängen. Schmale  reich verzierte Häuser zeugen den vergangenen Reichtum wohlhabender Kaufleute und Handwerker. Sehenswert sind die Wasserspeier aus Stein oder Kupfer. Charakteristische Elemente der Danziger Architektur , die Mäuler von Löwen, Drachen oder Seeungeheuern.

An der Marienkirche wurde ein halbes Jahrhundert mit Ziegeln  gebaut, einmalig in Europa, über 25.000 Menschen finden darin Platz.

St-Mary

Sehenswert die außergewöhnliche Kristalldecke, gestützt von 27 Massiven Säulen. Barocke Kunst des Hauptaltars (Augsburg) die steinerne Pietá (1410), eine Kopie des Triptychons von Hans Memling „Das Jüngste Gericht, die Figur der Madonna, einem Kronleuchter (um 1490) und eine astronomische Uhr die aus 3 Teilen besteht. Der obere Teil ist ein Figurentheater, Apostel, Tod, Adam und Eva die zu jeder vollen Stunde und alle 15 Minuten die Glocken schlagen. Der zentrale Teil ist ein Planetarium mit der eigentlichen Uhrzeit, Tierkreiszeichen und Scheiben mit Mondphasen. Weiterhin ist eine Scheibe vorhanden die nur eingeweihte verstehen und teilweise verdeckt ist durch ein Bild der Madonna.

Katarinenkirche

Weil ich mich besonders für  Uhren interessiere, darf ein Besuch des Turmuhrenmuseums in der Katharinenkirche nicht fehlen. Das Museum verfügt über eine Sammlung von mechanischen und elektrischen Turmuhren aus dem 14. Und 15. Jahrhundert und eine große Zahl von Weckern.

2011 wurde auf dem Dachboden  des Museums die berühmte Pulsar Uhr installiert. Sie hat eine Abweichung von 10 Mikrosekunden / Tag und ist somit genauer als eine Atomuhr
Die Quelle der Genauigkeit sind  Pulsare, weit entfernte Himmelskörper. Die Antennen  empfangen Impulse  von 6 Pulsaren die in Sekunden umgerechnet werden.

Weiterhin befindet sich ein Glockenspiel. Das sogenannte Carillon mit 50 Glocken. Es  ist das größte Glockenspiel mit Konzertglocken in diesem Teil von Europa. Von der  Balkon Kuppel in 50m Höhe hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt und Danziger Bucht.

 

Das im Mittelalter im gotischen Stil erbaute Rathaus krönt eine lebensgroße Statue  von Sigismund II. August. Luxuriöse Innenräume einer Ecke befindet sich eine große Sonnenuhr mit der Aufschrift
Schatten sind unsere Tage.  Die Decke besteht aus 25 Bildern von Izaak van den Blocke.

Das mittige Bild Apotheose von Danzig erzählt aus der  Geschichte von Danzig, eine ideale, ausgewählte Stadt die sich unter einem besonderen Schutz Gottes befindet. [sic ?]

Ein Glockenspiel mit 37 Konzertglocken,  ähnlich wie in der Katharinenkirche, ist ebenfalls vorhanden, das jede volle Stunde erklingt.

Ganz in der Nähe, befindet der Neptunbrunnen.  Ich schließe  mich unauffällig einer Führung an.

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Der Guide erzählt, dass der Brunnen  nach der Errichtung bei den Danzigern große Bewunderung fand. Sie warfen in den Brunnen Golddukaten. Dies hat der Gottheit sehr geschmeichelt. Er brachte das Wasser mit seinem Dreizack in Wallung und zerbrach die Dukaten  in kleine Goldflocken die heut´  zu Tage im Kräuterlikör Danziger Goldwasser  zu finden sind.

Angeblich soll sich dieser Vorfall alle 100 Jahre um Mitternacht beim Glockenspiel wiederholen.

Wer in dieser Nacht nicht anwesend ist, kann das Goldwasser in den umliegenden Restaurants probieren  oder /  auch kaufen. Der Fremdenführer weist diskret auf ein nahe liegendes  Geschäft hin wo es das Danziger Goldwasser zu kaufen gibt.

Heutzutage ist der Springbrunnen ein beliebter  Hintergrund  für Fotos, von Malern und Fotografen und zum Ausruhen im gegenüber liegenden Restaurant.

 

 

 

Ein fantastischer Triumphbogen, reich verziert – Das goldene Tor- führt zur Danziger Promenade. Faszinierende Patrizierhäuser mit eindrucksvollen Fassaden zeugen vom Reichtum der Formen und Originalität hanseatischer Städte.

In einem der Häuser befindet das Museum für Bürgerliche Wohnausstattung, in einem anderen Haus  Das Theater im Fenster.

Die Theaterbesucher sitzen oder stehen quasi auf der Straße. Ein großes Fenster wird geöffnet und der Akteur erscheint dort.  In meinem Falle posierte Marilyn Monroe nach der Musik „Diamonds are girl´s best friend“  im weißen Kleid, weiße Perücke. Von einem unten liegenden Lüfter wird  das Kleid „diskret“ angeblasen.

Nach der Vorführung wurden die Fenster verschlossen. Vorführung ist beendet.

Zu guter Letzt geht es noch in den Artushof. In ihm befindet sich der größte Kachelofen Europas. Er ist über 10m hoch mit 520 Kacheln, reich an Farben und Bildern. Die Gebäude in denen sich die Patrizier getroffen haben,  wurden vor allem in den Städten der Hanse errichtet. Ein Beweis der Kultur der Ritter und Reichtum der Stadt. Das Innere bildet eine riesige dreischiffige Halle die auf 4 Steinsäulen ruht. Im Besonderen sind einige Holzschnitzereien wie der, Heilige Georg mit dem Drachen“, und eine Zinntheke aus dem 16. Jahrhundert – die älteste Bar in Polen und einzigartige Sammlung von historischen Schiffsmodellen

Nach einer kurzen Ruhepause am Neptunbrunnen gönne ich mir noch eine Waffel mit Blaubeeren und viel Sahne. Jetzt muss ich mich sputen um das Boot zum Nowy Port zurück an Bord nicht zu verpassen.

Am nächsten Tag wurde für die Crew der Elbe1 ein Bus bereitgestellt um in der Innenstadt das Fußballspiel  Deutschland – Frankreich anzusehen. So nebenbei ergab sich eine kleine Stadtrundfahrt, weil der Busfahrer  wegen einer Umleitung nicht sofort den Treffpunkt fand. Auf der Fahrt  ging es übrigens  von den Randbezirken der Stadt am Fußballstadion PGE Arena Gdansk  vorbei. Es ist ein bernsteinfarbener Megahit. 236m lang, 203 m breit und 45 m hoch. Mit 18.000 Fließen aus Polycarbonat in 6 Farben gedeckte Kuppel mit einer Gesamtfläche von 4,5 ha strahlt in der Sonne  wie ein Bernstein der in der Nacht auch beleuchte wird. Die Konstruktionselemente  ähneln den Spanten eines Bootes und unterstreichen die maritime Tradition der Stadt.

Nach dem Fußballspiel  ging es durch das immer noch pulsierende Nachtleben (70.000 Studenten) zurück an Bord.

Die wichtigsten Punkte meiner touristische Besichtigungs- Fahrt konnte ich wegen der vielen Sehenswürdigkeiten nur annähernd abhaken. Bei Gelegenheit werde ich dies nachholen, denn eine Reise nach Danzig ist wirklich eine Reise wert.

 

Danke für die Fotos. Sie stammen von unseren Mitfahrern, der Crew und von Ruhrgebeatly ( siehe Eintrag im Gästebuch)

U.We