Wellen auf der Nordsee

Zum International Lighthouse and Lightship Weekend 2018 auf dem Feuerschiff Elbe 1

Im August 2018 war es endlich mal wieder soweit: wir aktivieren einen Leuchtturm, ja sogar ein Feuerschiff zum ILLW. Von Wien aus starte ich, OE3OCF am Freitagmittag gen Norden, und treffe meinen Vater und Funkfreund DL8TG in Hannover, um zusammen nach Cuxhaven an die norddeutsche Küste zu ziehen. Dort treffen wir am Leuchtturm „Alte Liebe“ Uwe DK1KQ, der sich zusammen mit dem sehr engagierten Feuerschiff-Verein um den Erhalt des Schiffes, das Museum und Törns nach Helgoland kümmert. Zusammen betreten wir die anmutig im Hafen liegende „Bürgermeister O’swald“, die als Feuerschiff nach ihrer Position Elbe 1 benannt ist.

Nach einer aufregenden Nacht in der kleinen Kajüte und dem Plätschern an der Bordwand beziehen wir schon sehr früh am Samstagmorgen den Funkraum und richten uns das Shack ein. Aufgebaut ist ein IC735 und eine Langdraht mit 100W Leistung für die Kurzwelle. Als die Crew mit geübten Handschlägen das Feuerschiff um 7:00 Uhr losmacht, versetzt uns das wiederholte Aussteigen des Transceivers in Schrecken. Bei der Umstellung von Land- auf den mit dem Generator an Bord erzeugten Strom können Frequenzschwankungen angeschlossene Geräte beschädigen, doch währenddessen hatten wir vorsorglich alles abgeschaltet. Nun gibt plötzlich das Netzgerät den Geist auf. Als wir drauf und dran sind, den mitgebrachten FT817 als Not-QRP-RIG aufzubauen, bringt Uwe zum Glück schon ein Ersatznetzteil in die Funkkabine.

2018 08 ILLW Elbe 1 (15)Sobald das Equipment einsatzbereit ist, sehen wir uns die Ausfahrt aus Cuxhaven an und trinken auf dem Oberdeck gemütlich die erste Tasse Kaffee. Wir passieren Neuwerk und steigen ein wenig später für erste Maritime Mobile Verbindungen unter Deck zur Station. Wir starten auf dem 40m Band und haben in CW schon die ersten Verbindungen mit Österreich, Ungarn und allmählich auch Deutschland. Dann wechseln wir häufiger in den SSB-Bereich und arbeiten bei guten Bedingungen unsere ersten Pile-up ab. Das Schöne am Lighthouse-Weekend im Unterschied zum Contest begeistert uns auch dieses Jahr: auch wenn die QSOs kürzer abgehalten werden, so sind die Gespräche stets freundlich und angenehm – eben voller Ham Spirit. So haben wir auch Verbindungen mit den vielen aktivierten Leuchttürmen entlang der Nordseeküste.

20180818_171732Auf Helgoland drehen wir eine kleine Runde und stärken uns mit örtlichen Fischspezialitäten, bevor es dann pünktlich am Nachmittag wieder „Leinen los“ heißt und die beherzte Crew das Schiff sicher in die Nordsee fährt. Wir testen nun ein wenig auf dem 30m Band, bleiben ob der Bedingungen und guten Rapports hauptsächlich auf 40m und 80m, wechseln immer mal die Betriebsarten und lösen uns gegenseitig als Operatoren ab. Wir freuen uns über Verbindungen zu Leuchttürmen aus den Niederlanden, empfangen aber leider wenig von der britischen Küste. Ein weiteres Highlight stellt ein QSO zur YL-Crew auf dem Lightship Laesoe Rende in der Kieler Föhrde dar. Insgesamt erreichen wir mit den 100W auf den genannten Bändern viele europäische Stationen, darunter auch immer wieder OE.
Mit einem österreichischen Rufzeichen „/mm“ zu funken fällt auf dem Band schon auf und verwundert einige OM und YLs, was die ganze Reise noch einmal spannend und lohnenswert macht.

Bevor wir wieder in Hafennähe schippern, betrachten wir das Schiff genauer. Die in den 40er Jahren gebaute Elbe 1 hatte kürzlich einen Motorschaden, aber dem Verein ist es gelungen, Ersatzteile aufzutreiben und die größere Reparatur vorzunehmen, so dass das legendäre Feuerschiff eben wieder Törns nach Helgoland unternehmen kann. Auch haben Funkamateure die Möglichkeit, mitzureisen und die Funkerkabine zu nutzen, die vollgestopft mit historische Sende- und Empfangsanlagen für den Schiffsfunk ist. Während am Abend sich die Sonne in Cuxhaven langsam zurückzieht, beendet die Crew den Törn mit einem traditionellen Einlauf-Bier. Und auch für uns heißt es, Abschied zu nehmen, bevor es am nächsten Tag zurück nach Wolfsburg und für mich nach Wien geht. Wir werden uns noch lange daran erinnern, Radiowellen auf der Nordsee gesendet zu haben!
Vielen Dank an Uwe, DL0CUX & die Crew!

73 de Florian, OE3OCF

[aus QSP 10/18, Amateurfunkjournal des ÖVSV, www.oevsv.at]