Der Koch mußte im Seetörn für achtzehn Leute täglich mittags und abends Mahlzeiten bereiten. Dazu kamen oftmals Gäste, meistens Studenten oder “Gelehrte”, die für irgendwelche Institute zu Forschungszwecken eine Zeitlang an Bord blieben.

Im Gegensatz zur Handelsschiffahrt war die Besatzung auf Schiffen der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) für die Beschaffung der Verpflegung selbst zuständig. Der Arbeitgeber beteiligte sich mit einem Verpflegungskosten-zuschuß daran. Dieser Zuschuß war nicht gerade üppig, so dass der Koch zur Zufriedenheit der Mannschaft nicht nur gut kochen, sondern auch gut rechnen können mußte. Der Zuschuß betrug für die Bediensteten im Lohnverhältnis 1948 täglich ca. 1,50 DM und steigerte sich bis 1988 auf ca. 6 DM täglich. Die Beamten und Angestellten an Bord bekamen eine “Außendienstzulage” in ähnlicher Höhe. Ein von der Besatzung gewählter Verpflegungsausschuß sorgte pingelig genau für die Abrechnung. Der Ehrgeiz des Kochs bestand darin, mit dem nicht sehr üppigen “staatlichen” Verpflegungsgeld ein möglichst gutes Essen zu bereiten. Schaffte er das nicht, hatte er “schlechte Karten” bei der Besatzung.
Aber in den Jahren, in denen die Cuxhavener Fischereiflotte noch vorhanden und nicht von Quoten begrenzter Fanggebiete abhängig war, passierten täglich Fischdampfer das Feuerschiff. Beladen mit Fängen aus dem Nordmeer, der Bäreninsel, von Island, der norwegischen Küste und nicht zuletzt der Nordsee. Auf dem Weg nach Cuxhaven wurde dann so macher Korb Frischfisch aller Sorten beim Feuerschiff übergeben. Das geschah im Rahmen eines vorgeschriebenen “Rettungsbootmannövers zur Übung”. Während der Heringszeit waren diese “Übungen” besonders häufig erforderlich. Da gab es Heringe in Hülle und Fülle. Der Smutje bereitete daraus Bratheringe, legte die Heringe “in Sauer” und zahlreiche landeten im Räucherofen unter der Back und wurden zu leckeren “Bücklingen”. Der Überschuß wurde in Fässern eingesalzen und sorgte so im Winter für mache Abendmahlzeit. So konnte der Verpflegungsausschuß vom Kostgeld häufig sogar noch ein paar Mark ausszahlen. Aber diese üppigen Zeiten gab es in den letzten Jahren in der Fülle nicht mehr.
Bei schlechtem Wetter und quer zur See liegendem Schiff war das Kochen nicht immer einfach. Wenn die Töpfe beim Schlingern anfingen, vom Herd zu rutschen, mußten die Schlingerleisten auf der Herdplatte montiert werden. Sie hielten dann die Töpfe ruhig, es sei denn diese waren bei der Zubereitung von Suppen und Soßen zu hoch gefüllt und schwappten über den Topfrand.
(Nach einem Text von Helmut Haben († 03.06.1997), Koch auf “Bürgermeister O`Swald” von 1948 bis 1970)

Ein Gedanke zu „Verpflegung auf ELBE 1

  1. Gabriele Haben

    Hallo,
    ich bin die Tochter von Hellmut Haben und habe beim Stöbern gerade die Geschichte von meinem Vater gefunden, das hat mich sehr gerührt. Ich habe ein ganzes Heft davon, er schrieb gerne Geschichten.
    In der Liste der Besatzungsmitglieder:
    Haben, Helmut 28.04.1923 Koch/Steward 21.01.48 Nord. ? P
    ist ein Fehler? Er war nie auf dem Feuer schiff “Norderney”, sondern immer auf Elbe 1 und das bis 1970, ab dann war er an der Kugelbake “stationiert”.

    Mit freundlichen Grüßen
    Gabriele Haben

    Antworten

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