weihnacht

Die Bezeichnung “Christliche Seefahrt” gibt es laut Brockhaus in der Handels- und Kauffahrteischifffahrt – im Gegensatz zur Marine und der Passagierschifffahrt – seit dem 17. Jahrhundert. Sie dokumentierte die christliche Glaubensstärke der Seeleute ganz besonders in Not und Gefahr. Heute ist dieser Ausdruck im eigentlichen Sinn zweckentfremdet. Die konfessionelle Einstellung der seefahrenden Menschen ist jedoch nach wie vor – gestützt durch die Seemannsmission – vorhanden.

Soweit es der Dienst auf See zulässt, werden an Bord die kirchlichen Feiertage begangen und wo möglich auch gefeiert. Seit 1816 bis zu ihrer Außerdienststellung 1988 auch an Bord der ELBE-Feuerschiffe, besonders zu Weihnachten.

Im permanenten Wechsel des Dienstes 1 Woche Landtörn, 2 Wochen Seetörn (später 2 Wochen Land, 2 Wochen See) konnten die Männer vorhersehen, ob sie Weihnachten an Land bei ihren Familien sein würden oder Dienst im Seetörn hätten. Mit Kollegen den Törn tauschen konnte man nicht. Jedoch blieb es dem Kapitän, mit stiller Duldung des Amtes, vorbehalten, am Heiligabend (einen Familienvater) oder zu Sylvester (einen Ledigen) außerplanmäßig an Land zu schicken, was mit Hilfe der Lotsenversetzschiffe damals möglich war. Das war aber immer von der Großwetterlage abhängig, und die war in den Wintermonaten für diese Vorhaben selten günstig. Auch mussten die an Bord Verbleibenden die Seewache für die Beurlaubten übernehmen. Der volle Betrieb musste gewährleistet sein. Überstunden durften nicht entstehen.

Für das Feiertagswohl des Seetörns war hinreichend gesorgt. Die Leute des Verpflegungsausschusses und der Smuut waren darauf eingestellt, wenn auch die Herrichtung des Festtagsessens sehr wetterabhängig war. Manchmal blieb der Braten im Kühlraum. An seine Stelle traten dann die “beliebten” Würstchen mit Kartoffelsalat. In den beiden Messen waren geschmückte Tannenbäume seefest verzurrt aufgestellt. Die wachfreien Männer versammelten sich zur vereinbarten Zeit in der Mannschaftsmesse wo der “Alte” dann ein paar mehr oder weniger gelungene christliche Worte für seine Leute fand. Selten oder gar nicht war das mit einem Gebet verbunden. Jeder hing zunächst seinen Gedanken nach. Wer bei Antritt des Seetörns eine kleine Aufmerksamkeit von seinen Lieben mitbekommen hatte, packte das Päckchen gespannt aus und bekam strahlende Augen wie ein kleines Kind, deren er sich im Kreise der Kameraden nicht zu schämen brauchte. Festliche Stimmung entstand gewöhnlich beim Betrachten des mit Kerzen geschmückten Tannenbaums, dessen Zweige sich mit den Schiffsbewegungen hoben und senkten. Es gab Rumgrog und entsprechendes Gebäck. Fast immer war ein Akkordeonspieler dabei, der Weihnachtslieder anstimmte. Unterbrochen von vielen Gesprächen wurden die mit Inbrunst gesungen. Mehr oder weniger vom Rumgrog stimuliert. Aber alles hatte Grenzen. Hinter allem stand die Pflicht. Die Wachen auf der Brücke und im Funkraum oder der Maschine mussten abgelöst werden.

Auf der Brücke hielt der Wachhabende Ausschau nach Wind und Wetter, nahm die Routineaufgaben wahr und wünschte den vorbeifahrenden Schiffen mit der Morselampe “Frohe Weihnachten!”. Das wurde in vielen – oft nicht zu entschlüsselnden – Sprachen beantwortet. Alles war häufig von Sturm und Seegang beeinflusst und es ergeben sich in stillen Augenblicken in dunkler Nacht Gedanken an den 2. Weihnachtstag 1824 an dem ein Orkan über die See fegte und das erste Elbfeuerschiff, die “Seestern” kentern ließ. Acht Jahre nach ihrer Indienststellung. Mit dem Kapitän nahm es acht Feuerschiffsleute und zwei Lotsen mit in die Tiefe
— Weihnachten auf See.

Otto Prieß

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